- Fachbeitrag
Britisches Unternehmen geht einen anderen Weg
Gute Raumluft durch kleine Wassertröpfchen
Das physikalische Prinzip ist wissenschaftlich untersucht. Submikrometergroße Wassertröpfchen können mit luftgetragenen Partikeln kollidieren und deren Abscheidung unterstützen. Eine 2021 im „Journal of Environmental Management“ veröffentlichte Studie untersuchte Wassertröpfchen mit einem mittleren Durchmesser von rund 800 Nanometern. In der Versuchskammer sank die Konzentration von PM1.0 innerhalb der ersten 30 Minuten um 30 Prozent. Gegenüber größeren Wassertropfen war die Entfernungseffizienz etwa doppelt so hoch. Auch frühere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass die Abscheidung mit abnehmender Tröpfchengröße steigen kann. Diese Studien wurden unabhängig von Innova durchgeführt. Sie bestätigen daher nicht unmittelbar die Leistung der Geräte, zeigen aber, dass der Mechanismus wissenschaftlich nachvollziehbar ist.
Wasser statt Partikelfilter
Hinter dem Verfahren steht Innova Nano Jet Technologies Ltd. Das Unternehmen wurde 2022 gegründet und ist in Großbritannien als Private Limited Company registriert. Seine britischen Aktivitäten konzentrieren sich auf Dumbarton bei Glasgow. Neben Großbritannien ist Innova nach eigenen Angaben auch in den USA und Südostasien aktiv.Im Mittelpunkt steht die Nano Jet-Technologie, auf deren Grundlage Anwendungen für unterschiedliche Branchen entwickelt werden sollen. Die derzeit sichtbarste kommerzielle Anwendung ist die Luftreinigung. Die entsprechenden Geräte werden unter der Produktmarke Air Sancta angeboten. Bei den Air Sancta-Luftreinigern erzeugt die Nano Jet-Technologie sehr kleine Wassertröpfchen, die in die Raumluft eingebracht werden. Dort sollen sie auf Aerosole, Staub, Pollen und andere Schwebstoffe treffen, diese binden und ihre Abscheidung beschleunigen. Das System kommt grundsätzlich ohne klassischen Partikelfilter aus. Der Ansatz unterscheidet sich damit von einem HEPA-Luftreiniger. Dieser saugt Raumluft an, führt sie durch ein Filtermedium und gibt sie anschließend wieder in den Raum ab. Bei Nano Jet findet ein wesentlicher Teil des Prozesses außerhalb des Gerätes statt: Die Tröpfchen sollen sich im Raum verteilen und dort mit den vorhandenen Partikeln interagieren.
Tests mit einem Modellvirus
Zur Wirksamkeit liegen unter anderem Tests des US-Labors LMS Technologies vor. In einem Versuch mit dem häufig als Modellvirus eingesetzten Bakteriophagen MS2 wurde bei Verwendung von Wasser nach 20 Minuten eine Reduktion der luftgetragenen Konzentration um 94 Prozent gemessen. Nach 60 Minuten lag sie bei 98,2 Prozent. Aus einem solchen Versuch kann allerdings nicht abgeleitet werden, dass das Gerät sämtliche für Menschen relevanten Viren unter allen Bedingungen mit identischer Effizienz entfernt. Laborversuche finden unter definierten Bedingungen statt. Ein Büro, Besprechungsraum oder Klassenzimmer weist dagegen komplexere Verhältnisse auf. Menschen bewegen sich, Türen werden geöffnet, Lüftungsanlagen erzeugen Luftströmungen und neue Aerosole gelangen in die Raumluft. Ebenso muss zwischen Entfernung und Inaktivierung unterschieden werden. Wird ein Mikroorganismus durch Wassertröpfchen gebunden und aus der Raumluft abgeschieden, bedeutet dies nicht automatisch, dass er inaktiviert oder abgetötet wurde. Belegt ist zunächst die Reduktion der luftgetragenen Konzentration unter den jeweiligen Prüfbedingungen. Ein weiterer Labortest untersuchte unterschiedlich große Partikel. Dabei wurde eine Reduktion von 82,2 Prozent bei Partikeln oberhalb von 0,3 Mikrometern festgestellt. Bei größeren Partikeln wurden höhere Werte erreicht. Innova nennt deshalb neben biologischen Aerosolen auch Pollen, Staub, Feinstaub und Schimmelsporen als Zielpartikel. Bei allgemeinen Wirksamkeitsangaben ist dennoch Vorsicht geboten. Vom Hersteller genannte Reduktionsraten von mehr als 99 Prozent lassen sich nicht pauschal auf jede Partikelart, Raumgröße und Betriebsdauer übertragen. Entscheidend ist, welcher Stoff unter welchen Bedingungen untersucht wurde.
Air Sancta für unterschiedliche Räume
Innova bietet mehrere Air Sancta-Geräte an. Das Programm reicht vom kompakten CDa Mini für kleinere Wohn- und Arbeitsräume über das CDa Model H bis zum CDa Pro für größere professionelle Anwendungen. Als Einsatzbereiche nennt das Unternehmen unter anderem Krankenhäuser, Schulen, Hotels, Büros, Restaurants und Fitnessstudios. Für Arbeitsplätze sind Raumvolumen, Belegung, vorhandene Lüftung, Luftströmungen und Betriebsdauer entscheidend. Ein mit zwei Personen belegtes Büro stellt andere Anforderungen als ein stark frequentierter Besprechungsraum oder ein Wartebereich. Innova hat seine Präsenz in Schottland für die Kommerzialisierung der Technologie ausgebaut. Chairman und CEO ist Dr. Charles Chunhua Huang. Im britischen Handelsregister wird das Unternehmen unter der Nummer SC743004 geführt. Innova gibt außerdem Zertifizierungen nach ISO 9001 für Qualitätsmanagement, ISO 14001 für Umweltmanagement und ISO 45001 für Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement an. Diese beziehen sich auf die Managementsysteme des Unternehmens und sind nicht mit einer Zertifizierung bestimmter Abscheideraten der Luftreiniger gleichzusetzen. Einen Schritt in den professionellen Gesundheitsmarkt markiert die Aufnahme von Innova Nano Jet Technologies in den britischen NHS-Supply-Chain-Rahmenvertrag „Environmental Decontamination“. Der seit März 2026 geltende Vertrag umfasst verschiedene Technologien und Dienstleistungen für die Dekontamination im Gesundheitswesen. Innova wird in der offiziellen Lieferantenliste geführt.
Luftreiniger ersetzen Lüften nicht
Am Arbeitsplatz kann Nano Jet nur ein Baustein eines umfassenden Konzeptes zur Verbesserung der Indoor Air Quality sein. Fachbehörden empfehlen weiterhin, Schadstoffquellen zu reduzieren, für ausreichenden Luftaustausch zu sorgen und bei Bedarf ergänzende Systeme zur Luftreinigung einzusetzen. Besonders deutlich wird dies beim Kohlendioxid. Ein Gerät, das Partikel aus der Raumluft entfernt, beseitigt nicht automatisch das von Menschen ausgeatmete CO₂. Steigt dessen Konzentration aufgrund hoher Belegung und mangelnder Frischluftzufuhr, muss der Luftaustausch verbessert werden. Ein Luftreiniger kann das Lüften deshalb nicht ersetzen. Auch gasförmige Schadstoffe stellen andere Anforderungen als Partikel. Klassische HEPA-Filter bleiben eine etablierte Lösung zur Abscheidung feiner Partikel. Nano Jet sollte deshalb nicht pauschal als Ersatz für HEPA verstanden werden, sondern als anderer technologischer Ansatz. Während ein Filter belastete Raumluft zum Gerät transportiert, sollen die Nano Jet-Wassertröpfchen im Raum mit den Partikeln interagieren. Ein Argument für das Nano Jet-Verfahren ist der Verzicht auf klassische Austauschfilter. Dadurch können Filterwechsel und entsprechender Abfall entfallen. Filterlos bedeutet allerdings nicht wartungsfrei. Wasserführende Systeme benötigen ebenfalls Pflege. Wasserqualität, Behälterhygiene, Reinigung und Wartungsintervalle sind für einen hygienischen Betrieb relevant. Für Unternehmen zählen deshalb neben dem Anschaffungspreis auch Energieverbrauch, Verbrauchsmaterialien, Reinigung, Wartung und Lebensdauer.
Raumluft als ergonomischer Faktor
Aus ergonomischer Sicht gewinnt Indoor Air Quality unabhängig von der eingesetzten Technologie an Bedeutung. Beschäftigte verbringen einen großen Teil ihres Arbeitstages in Innenräumen. Gute Raumluft darf dabei nicht auf die Abwesenheit von Krankheitserregern reduziert werden. Auch Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO₂-Konzentration, Luftbewegung und mögliche Schadstoffe beeinflussen die Arbeitsumgebung. Relevant ist außerdem, wie sich ein Luftreinigungssystem in den Arbeitsplatz integriert. Dazu gehört die Geräuschentwicklung. Ein technisch leistungsfähiges Gerät kann dennoch stören, wenn sein Betriebsgeräusch konzentriertes Arbeiten oder Kommunikation beeinträchtigt. Auch Luftströmungen dürfen nicht zu störender Zugluft führen. Geräte benötigen Stellfläche, dürfen Verkehrswege nicht beeinträchtigen und müssen für Reinigung und Wartung zugänglich sein.
Die Nano Jet-Technologie erweitert das Spektrum der Möglichkeiten zur Verbesserung der Raumluftqualität. Die Nutzung sehr kleiner Wassertröpfchen zur Abscheidung luftgetragener Partikel besitzt eine wissenschaftlich nachvollziehbare Grundlage. Für Nano Jet liegen zudem Labortests vor, in denen deutliche Reduktionen von Partikeln und eines Modellvirus gemessen wurden. Das britische Unternehmen Innova Nano Jet Technologies verfolgt mit seiner Nano Jet-Technologie einen ungewöhnlichen Ansatz zur Verbesserung der Raumluftqualität. Statt belastete Luft wie bei klassischen Luftreinigern durch einen Partikelfilter zu führen, erzeugen die unter der Marke Air Sancta angebotenen Geräte sehr kleine Wassertröpfchen. Diese werden in die Raumluft eingebracht und sollen dort mit Aerosolen, Feinstaub, Pollen und anderen Schwebstoffen kollidieren, sie binden und ihre Abscheidung aus der Luft beschleunigen.
Das physikalische Prinzip ist wissenschaftlich untersucht. Studien zeigen, dass sehr kleine Wassertröpfchen bei der Abscheidung feiner Partikel Vorteile gegenüber größeren Tropfen haben können. Unabhängige Untersuchungen bestätigen damit grundsätzlich den Mechanismus, allerdings nicht unmittelbar die Leistung der Air Sancta-Geräte. Zur Nano Jet-Technologie selbst liegen unter anderem Labortests mit dem häufig als Modellvirus eingesetzten Bakteriophagen MS2 vor. Dabei wurde mit Wasser nach 20 Minuten eine Reduktion der luftgetragenen Konzentration um 94 Prozent und nach 60 Minuten um 98,2 Prozent gemessen. In einem weiteren Test wurde bei Partikeln oberhalb von 0,3 Mikrometern eine Reduktion von 82,2 Prozent festgestellt. Die Ergebnisse sind jedoch unter kontrollierten Laborbedingungen entstanden und lassen sich nicht ohne Weiteres auf Büros, Besprechungsräume oder andere Arbeitsumgebungen übertragen. Innova Nano Jet Technologies wurde 2022 gegründet und ist in Großbritannien registriert. Das Unternehmen bietet mit Air Sancta mehrere Geräte für unterschiedliche Raumgrößen und Einsatzbereiche an. Einen Schritt in den professionellen Gesundheitsmarkt markiert die Aufnahme in den seit März 2026 geltenden NHS-Supply-Chain-Rahmenvertrag „Environmental Decontamination“.
Aus ergonomischer Sicht kann die wasserbasierte Technologie eine interessante Ergänzung bestehender Raumluftkonzepte darstellen. Luftreiniger ersetzen jedoch weder eine ausreichende Frischluftzufuhr noch die Kontrolle von CO₂, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Für den Einsatz am Arbeitsplatz sind zudem Geräuschentwicklung, Wartungsaufwand, Wasser- und Energiebedarf sowie die tatsächliche Reinigungsleistung unter realen Bedingungen entscheidend. Weitere unabhängige Untersuchungen und Praxiserfahrungen werden zeigen, welchen Stellenwert die Nano Jet-Technologie langfristig neben etablierten Filtersystemen einnehmen kann.
Text: Daniel Faust/Quelle: Innova Nano Jet




